„Ich hab gestern nur ein bisschen gekifft.“ Diesen Satz höre ich als Anwalt für Drogendelikte häufig, wenn Mandanten und Mandantinnen nach einer Polizeikontrolle zu mir kommen. Doch die Realität ist ernüchternd: Bereits geringe Mengen von Drogen im Blut können zu Fahrverboten, Punkten in Flensburg und einer angeordneten MPU führen, unabhängig davon, ob Sie sich fahrtüchtig fühlen oder nicht. Welche Substanzen welche rechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen und wie lange diese im Körper nachweisbar bleiben, erkläre ich Ihnen in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- THC, Kokain, Amphetamine, MDMA und Benzodiazepine sind die häufigsten Drogen im Straßenverkehr.
- Die Nachweiszeiten variieren stark je nach Substanz und Konsummuster von Stunden bis Monaten.
- Bei Polizeikontrollen folgt auf die Verhaltensbeobachtung und den Drogenvortest meist eine Blutabnahme.
Diese Drogen tauchen im Straßenverkehr am häufigsten auf
Im Straßenverkehr spielen fünf Substanzgruppen die größte Rolle: THC aus Cannabis ist mit Abstand die am häufigsten nachgewiesene Droge, gefolgt von Kokain, Amphetaminen (Speed), MDMA (Ecstasy) und Benzodiazepinen. Letztere werden oft als Medikamente verschrieben, können aber die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen.
Fahrt unter Drogeneinfluss
Fahrt unter Drogeneinfluss bedeutet rechtlich, dass im Blut relevante Wirkstoffmengen nachgewiesen werden, die nach dem Straßenverkehrsrecht verboten sind oder Zweifel an der Fahreignung begründen. Anders als bei Alkohol gilt hier eine Nulltoleranz-Regelung: Es gibt keinen Grenzwert, ab dem Fahren erlaubt wäre, außer bei THC mit dem Grenzwert von 3,5 ng/ml.
Wie lange bleibt was im Körper nachweisbar?
Die Nachweiszeiten variieren erheblich je nach Substanz, Konsumhäufigkeit und Stoffwechsel. Diese Zeiten sollten Sie ernst nehmen:
| Substanz | Blut | Urin | Haar |
| THC (einmalig) | 6–24 Stunden | 2–3 Tage | bis 3 Monate |
| THC (regelmäßig) | 2–3 Tage | bis 4 Wochen | bis 3 Monate |
| Kokain | 6–24 Stunden | 2–4 Tage | bis 3 Monate |
| Amphetamine | 12–24 Stunden | 1–3 Tage | bis 3 Monate |
| MDMA | 24 Stunden | 1–4 Tage | bis 3 Monate |
| Benzodiazepine | 12–24 Stunden | 3–7 Tage | bis 3 Monate |
Diese Werte sind Richtwerte. Bei regelmäßigem Konsum können sich die Zeiten deutlich verlängern.
Was passiert bei einer Polizeikontrolle wirklich?
Eine Drogenkontrolle läuft meist in drei Schritten ab: Zunächst beobachten Beamte und Beamtinnen Ihr Verhalten und achten auf verdächtige Anzeichen. Erhärtet sich der Verdacht, folgt ein Drogenvortest, meist ein Speichel- oder Urintest. Bei positivem Ergebnis wird eine Blutabnahme angeordnet, die als beweissicheres Verfahren gilt.
Typische Anzeichen bei der Verhaltensbeobachtung:
- Veränderte Pupillengröße (erweitert oder verengt)
- Verlangsamtes oder hektisches Reaktionsvermögen
- Undeutliche oder verwaschene Sprache
- Unsicherer Gang oder Koordinationsprobleme
- Gerötete Augen oder auffällige Blässe
Strafe ist nicht gleich Strafe – welche Substanz welche Konsequenzen nach sich zieht
Die Konsequenzen hängen von mehreren Faktoren ab: der nachgewiesenen Substanz, der Konzentration im Blut, dem Fahrstil und möglichen Vorstrafen. Bei THC ab 3,5 ng/ml drohen 500 Euro Bußgeld, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte. Bei anderen Drogen oder höheren Konzentrationen können die Strafen deutlich härter ausfallen, bis hin zu Strafanzeigen wegen Gefährdung des Straßenverkehrs.
Konsequenzen unabhängig von der Substanz:
- Führerscheinentzug durch die Fahrerlaubnisbehörde
- Eintrag von Punkten im Fahreignungsregister Flensburg
- Anordnung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU)
- Mögliche Strafanzeige bei Gefährdung oder Unfall
- Erhebliche Bußgelder und Verfahrenskosten
FAQ
Darf ich nach dem Kiffen noch Auto fahren, wenn ich mich fit fühle?
Nein. Das subjektive Gefühl der Fahrtüchtigkeit ist rechtlich irrelevant. Entscheidend ist der nachweisbare THC-Wert im Blut.
Wie lange nach dem Konsum gilt man noch als fahruntüchtig?
Das ist abhängig von der Substanz. Bei THC können Sie noch Tage später auffallen, auch wenn die Wirkung längst abgeklungen ist.
Was ist eine MPU und wann wird sie angeordnet?
Die MPU ist eine medizinisch-psychologische Untersuchung zur Überprüfung der Fahreignung. Sie wird bei Drogenkonsum im Straßenverkehr häufig angeordnet.
Kann ich einen Drogenvortest ablehnen?
Ja, Drogenvortests sind freiwillig. Auch bei einer Verweigerung kann die Polizei bei entsprechendem Verdacht eine Blutentnahme veranlassen.
Gelten für Erstkonsumenten und -konsumentinnen mildere Strafen?
Nicht grundsätzlich. Auch beim ersten Mal drohen Bußgeld, Fahrverbot und MPU-Anordnung.
Jetzt handeln, bevor es zu spät ist
Kennen Sie die Nachweiszeiten der Substanzen, fahren Sie im Zweifel nicht und suchen Sie im Ernstfall sofort rechtliche Beratung. Als erfahrener Rechtsanwalt unterstütze ich Sie bei Drogenverstößen im Straßenverkehr: von der Akteneinsicht über den Einspruch bis zur Vertretung vor Gericht. Handeln Sie frühzeitig, um Ihre Fahrerlaubnis zu schützen.